Woran erkenne ich, dass mein Computer einen Virus hat?

Einen Virenbefall erkennen Sie selten an einem einzelnen Symptom, sondern an mehreren Auffälligkeiten, die gemeinsam auftreten und sich nicht anders erklären lassen: unbekannte Programme, ein abgeschalteter Virenschutz, Nachrichten an Ihre Kontakte, die Sie nie geschrieben haben. Ein langsamer Rechner allein ist dagegen meist harmlos. Sicherheit bringt erst eine gezielte Prüfung, unter Windows am besten mit dem Offline-Scan von Microsoft Defender.

Kurz zusammengefasst

Viele typische Warnzeichen haben harmlose Ursachen, deshalb lohnt der Blick auf die Gesamtlage. Deutliche Hinweise sind ein deaktivierter Virenschutz, Programme, die Sie nicht installiert haben, und verschickte Nachrichten, die nicht von Ihnen stammen. Bei Verdacht trennen Sie das Gerät vom Netz, scannen offline und ändern Passwörter nur von einem sauberen Gerät aus, beginnend mit dem E-Mail-Konto. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt nach einer Infektion, das Betriebssystem neu zu installieren. Ein Sperrbildschirm mit Zahlungsforderung ist ein eindeutiges Zeichen für Ransomware.

Welche Anzeichen sprechen für einen Virus?

Die klarsten Anzeichen sind Veränderungen, die Sie nicht selbst vorgenommen haben. Das BSI nennt in seiner Checkliste zu Schadprogrammen unter anderem Meldungen des Virenschutzes, unbekannte Programme, Abstürze, Webseiten, die sich von selbst öffnen, Spam an Ihre Kontakte und Updates, die nicht mehr automatisch geladen werden.

Fast jedes dieser Symptome kann aber auch eine ganz gewöhnliche Ursache haben. Die folgende Tabelle stellt beides gegenüber und zeigt, wie Sie die Frage schnell eingrenzen.

Anzeichen Häufige harmlose Ursache So prüfen Sie es
Rechner ist plötzlich langsam, Lüfter läuft ständig Windows-Update im Hintergrund, Indexierung, Cloud-Synchronisation, volle Festplatte Task-Manager (Strg + Umschalt + Esc) öffnen und nachsehen, welcher Prozess die Last erzeugt. Unbekannten Namen im Netz nachschlagen
Häufige Abstürze oder Bluescreens Fehlerhafter Treiber, defekter Arbeitsspeicher, Überhitzung Fällt der Beginn mit einem Treiber- oder Hardwarewechsel zusammen, ist ein Virus unwahrscheinlich
Virenschutz ist abgeschaltet und lässt sich nicht einschalten Ein zweites Antivirenprogramm ist installiert und hat Defender ersetzt In der Windows-Sicherheit prüfen, welcher Anbieter aktiv ist. Ohne zweites Programm: ernstes Warnsignal
Unbekannte Programme oder Browser-Erweiterungen Beim Installieren einer Gratis-Software mitinstallierte Zusatzprogramme Installationsdatum in der App-Liste prüfen und mit eigenen Installationen abgleichen
Startseite oder Suchmaschine im Browser geändert Eine Erweiterung oder ein Installationsprogramm hat die Einstellung verändert Erweiterungen deaktivieren, Browser-Einstellungen zurücksetzen. Kehrt die Änderung zurück, genauer prüfen
Kontakte erhalten Mails oder Nachrichten von Ihnen, die Sie nicht geschrieben haben Gefälschter Absender (Spoofing) oder ein gekapertes Online-Konto, nicht zwingend der PC Im Gesendet-Ordner nachsehen und die Anmeldeaktivität des Kontos prüfen
Windows-Updates schlagen dauerhaft fehl Zu wenig Speicherplatz, beschädigter Update-Cache Fehlercode notieren und bei Microsoft nachschlagen. In Verbindung mit anderen Anzeichen ernst nehmen
Dateien lassen sich nicht mehr öffnen, haben neue Endungen Kaum eine. Ein Programm-Update kann Zuordnungen verändern, nicht aber Dateiendungen Sofort vom Netz trennen. Das ist ein typisches Muster von Ransomware
Sperrbildschirm mit Zahlungsforderung Keine Eindeutiger Befall. Weiter mit dem Notfallteil unten

Aussagekräftig ist die Kombination. Ein langsamer Laptop mit neun Jahren auf dem Buckel ist kein Verdachtsfall. Ein Rechner, auf dem gleichzeitig der Virenschutz deaktiviert ist und ein unbekanntes Programm beim Start mitläuft, ist einer.

Ist die Virenwarnung im Browser echt?

Eine Warnung, die im Browser erscheint und Sie auffordert, eine Telefonnummer anzurufen, ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Betrug. Microsoft schreibt dazu unmissverständlich, dass Fehler- und Warnmeldungen von Microsoft niemals Telefonnummern enthalten.

Diese Pop-ups ahmen Windows-Meldungen nach, blockieren oft den ganzen Bildschirm und spielen manchmal Warntöne ab. Ausgelöst werden sie laut Verbraucherzentrale durch Werbung, dubiose Webseiten oder installierte Apps. Am Telefon verlangen die Täter dann Geld für ein angebliches Schutzpaket und Fernzugriff auf den Rechner. Die Verbraucherzentrale berichtet von Forderungen bis zu 400 Euro.

Der Rechner selbst ist in diesen Fällen meist nicht infiziert. Schließen Sie den Browser über den Task-Manager, wenn sich das Fenster nicht schließen lässt. Beim nächsten Start sollten Sie die zuletzt geöffneten Tabs nicht wiederherstellen. Gefährlich wird es erst, wenn Sie anrufen und den Anweisungen folgen.

Wichtig

Haben Sie einem angeblichen Support-Mitarbeiter bereits Fernzugriff gewährt, trennen Sie den Rechner sofort vom Internet und deinstallieren Sie die Fernwartungssoftware. Ändern Sie danach von einem anderen Gerät aus die Passwörter für E-Mail, Online-Banking und Online-Shops und informieren Sie Ihre Bank, falls Sie während des Gesprächs Bankdaten eingegeben haben. Die Verbraucherzentrale rät zudem, den Fall bei der Polizei anzuzeigen, zum Beispiel über die Onlinewache Ihres Bundeslandes.

Wie prüfen Sie einen Windows-PC gründlich?

Die gründlichste Prüfung mit Bordmitteln ist der Offline-Scan von Microsoft Defender, weil er läuft, bevor Windows startet. Schadsoftware, die sich im laufenden System versteckt oder den Virenschutz behindert, hat dann keine Gelegenheit, sich zu tarnen.

So starten Sie den Scan unter Windows 11 und Windows 10:

  1. Speichern Sie alle geöffneten Dateien, denn der Rechner startet neu.
  2. Öffnen Sie die App Windows-Sicherheit und wählen Sie Viren- & Bedrohungsschutz.
  3. Klicken Sie auf Scanoptionen, wählen Sie Microsoft Defender Antivirus (Offlineüberprüfung) und anschließend Jetzt überprüfen.
  4. Der PC startet in die Windows-Wiederherstellungsumgebung, führt den Scan durch und startet danach automatisch wieder normal.
  5. Das Ergebnis finden Sie in der Windows-Sicherheit unter Schutzverlauf.

Prüfen Sie vorher unter Viren- & Bedrohungsschutz, ob die Schutzupdates aktuell sind. Das BSI rät ausdrücklich, den Offline-Scan erst nach dem Aktualisieren des Virenschutzes durchzuführen.

Ein zweites Urteil kann sinnvoll sein, wenn Defender nichts findet, die Symptome aber bleiben. Laden Sie einen Scanner dafür nur direkt von der Website des Herstellers herunter, nie über einen Link aus einer Warnmeldung. Nutzen Sie außerdem nur ein dauerhaft aktives Antivirenprogramm, zwei gleichzeitig behindern sich gegenseitig.

Ein Hinweis zu älteren Systemen: Der allgemeine Support für Windows 10 endete am 14. Oktober 2025. Privatkunden können über das Programm für erweiterte Sicherheitsupdates (ESU) noch bis zum 12. Oktober 2027 kritische Sicherheitskorrekturen erhalten. Ein Rechner ohne aktuelle Updates ist deutlich angreifbarer, gleich wie gut der Virenscanner ist.

Und wie sieht es beim Mac aus?

Auch Macs können sich Schadsoftware einfangen, macOS bringt aber einen eigenen Schutz mit, der ohne Zutun arbeitet. Die eingebaute Technik heißt XProtect. Sie prüft Apps nach Angaben von Apple beim ersten Start, nach Änderungen und nach jedem Signatur-Update. Erkannte Schadsoftware wird blockiert, in den Papierkorb verschoben und im Finder gemeldet.

Eine weitere Komponente sucht regelmäßig nach Infektionen, die bereits auf dem Mac gelandet sind, und entfernt sie. Die Signaturen aktualisiert macOS unabhängig von großen Systemupdates, standardmäßig sucht das System täglich danach. Einen manuellen „Jetzt scannen“-Knopf wie bei Windows gibt es nicht.

Auf dem Mac tauchen eher Adware und unerwünschte Programme auf als klassische Viren: veränderte Suchmaschinen, Werbefenster, aufdringliche „Mac-Reiniger“. Kontrollieren Sie in diesem Fall drei Stellen:

  • Systemeinstellungen > Allgemein > Anmeldeobjekte: Was startet automatisch, und kennen Sie jeden Eintrag?
  • Systemeinstellungen > Datenschutz & Sicherheit: Unter „Apps zulassen von“ sollte „App Store“ oder „App Store und bekannte Entwickler“ ausgewählt sein.
  • Erweiterungen in Safari, Chrome oder Firefox: Alles entfernen, was Sie nicht bewusst installiert haben.

Wer mehr Gewissheit möchte, kann zusätzlich einen bekannten Mac-Scanner eines etablierten Sicherheitsherstellers einsetzen. Auch hier gilt: nur von der Herstellerseite oder aus dem App Store laden.

Was tun, wenn der Computer infiziert ist?

Bei einem bestätigten Befall gilt: zuerst den Schaden begrenzen, dann Konten sichern, dann das System bereinigen. Diese Reihenfolge orientiert sich an den Empfehlungen des BSI.

  1. Vom Netz trennen. WLAN ausschalten, Netzwerkkabel ziehen. So kann die Schadsoftware keine weiteren Daten senden und sich nicht im Heimnetz ausbreiten.
  2. Kein Online-Banking und keine Anmeldungen mehr auf dem betroffenen Gerät, bis es bereinigt ist.
  3. Passwörter von einem sauberen Gerät ändern. Beginnen Sie mit dem E-Mail-Konto, weil sich darüber fast alle anderen Passwörter zurücksetzen lassen. Danach Banking, Shops, soziale Netzwerke. Aktivieren Sie überall, wo möglich, die Zwei-Faktor-Authentisierung.
  4. Bank informieren, wenn Sie auf dem Gerät Bankdaten eingegeben haben, und Kontobewegungen in den nächsten Wochen genau prüfen.
  5. Daten sichern, aber mit Bedacht. Kopieren Sie nur persönliche Dateien wie Fotos und Dokumente auf ein externes Laufwerk. Programme und Installationsdateien gehören nicht in die Sicherung. Prüfen Sie das Laufwerk später an einem sauberen Rechner mit dem Virenscanner.
  6. System bereinigen oder neu aufsetzen, siehe nächster Abschnitt.

Bei Ransomware rät das BSI, kein Lösegeld zu zahlen, weil eine Entschlüsselung nicht garantiert ist. Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei und prüfen Sie auf der Seite des Projekts No More Ransom, ob es für die betreffende Schadsoftware bereits ein kostenloses Entschlüsselungswerkzeug gibt. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag Was ist Ransomware?

Wann sollten Sie den Computer neu aufsetzen?

Das BSI empfiehlt nach einer Infektion grundsätzlich, das Betriebssystem neu zu installieren, weil Schadsoftware Veränderungen am System vorgenommen haben kann, die ein Scanner nicht vollständig rückgängig macht. In der Praxis hängt die Entscheidung davon ab, was gefunden wurde.

Ein einzelner Fund, den Defender sofort in die Quarantäne verschoben hat, etwa eine verdächtige Datei im Download-Ordner, die nie ausgeführt wurde, erfordert in der Regel keine Neuinstallation. Anders sieht es aus, wenn eines der folgenden Kriterien zutrifft:

  • Der Virenschutz wurde abgeschaltet oder manipuliert.
  • Es handelt sich um einen Trojaner, Keylogger oder ein Fernsteuerungsprogramm.
  • Ein Fremder hatte per Fernwartung Zugriff auf den Rechner.
  • Die Symptome bleiben nach der Bereinigung bestehen oder kehren zurück.
  • Dateien wurden verschlüsselt.

Unter Windows 11 und 10 gibt es dafür die Funktion Diesen PC zurücksetzen, die Sie in den Einstellungen unter Wiederherstellung finden. Microsoft bietet dabei zwei Wege: persönliche Dateien behalten oder alles entfernen. Apps und Einstellungen werden in beiden Fällen gelöscht. Nach einem ernsten Befall ist „Alles entfernen“ die sicherere Wahl, Ihre Daten spielen Sie danach aus der geprüften Sicherung zurück. Halten Sie den BitLocker-Wiederherstellungsschlüssel bereit, falls Ihr Laufwerk verschlüsselt ist. Microsoft gibt für den Vorgang je nach Methode etwa 30 Minuten bis zwei Stunden an.

Bei Smartphones und Tablets entspricht das dem Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen. Am Mac führt der Weg über die Funktion „Alle Inhalte und Einstellungen löschen“ in den Systemeinstellungen oder über eine Neuinstallation aus der macOS-Wiederherstellung.

Wie beugen Sie einem erneuten Befall vor?

Den größten Schutz bieten aktuelle Updates und ein vorsichtiger Umgang mit Anhängen und Downloads. Die meisten Infektionen beginnen nicht mit einer raffinierten Sicherheitslücke, sondern mit einem Klick auf einen Anhang oder einen Link.

  • Automatische Updates für Betriebssystem, Browser und Programme eingeschaltet lassen.
  • Im Alltag mit einem Standardkonto arbeiten, nicht mit Administratorrechten.
  • Software nur aus offiziellen Quellen laden.
  • E-Mail-Anhänge und Links auch von bekannten Absendern kritisch prüfen. Wie das geht, erklärt unser Ratgeber Phishing erkennen.
  • Regelmäßige Datensicherung auf ein Laufwerk, das nur während der Sicherung angeschlossen ist. Gegen Ransomware ist das die wirksamste Vorsorge.

Häufige Fragen

Reicht der Microsoft Defender als Virenschutz aus?

Für die meisten Privatanwender ist der in Windows integrierte Defender eine solide Grundlage, sofern Windows und Defender regelmäßig aktualisiert werden. Ein Zusatzprogramm kann Komfortfunktionen bieten, ersetzt aber keine Updates und keine Vorsicht beim Klicken.

Kann ein Virus die Hardware beschädigen?

Das ist bei heutigen Rechnern sehr selten. Schadsoftware zielt fast immer auf Daten, Zugangsdaten oder Rechenleistung. Eine dauerhaft hohe Auslastung, etwa durch heimliches Krypto-Mining, kann Lüfter und Akku aber stärker beanspruchen.

Ein Online-Scanner hat sich ungefragt geöffnet und meldet Dutzende Viren. Was nun?

Das ist fast immer eine gefälschte Warnung, die Sie zum Kauf oder Download einer zweifelhaften Software bewegen soll. Schließen Sie den Browser und laden Sie nichts herunter. Ein echter Scan läuft auf Ihrem Rechner, nicht auf einer Webseite.

Kann ich einen Virus über das WLAN von anderen Geräten bekommen?

Manche Schadprogramme versuchen, sich im lokalen Netzwerk auf andere Geräte auszubreiten. Deshalb ist das Trennen vom Netz der erste Schritt. Ein gut abgesicherter Router mit aktueller Firmware erschwert das zusätzlich, mehr dazu in unserem Beitrag zur Absicherung des WLAN-Routers.

Muss ich eine Infektion irgendwo melden?

Als Privatperson sind Sie dazu nicht verpflichtet. Bei finanziellem Schaden, Erpressung oder Betrug durch angebliche Support-Mitarbeiter sollten Sie aber Anzeige bei der Polizei erstatten. Das ist auch für Ansprüche gegenüber Bank oder Versicherung wichtig.

Quellen

Weiterlesen auf Safety-IT