Echte Schadsoftware auf dem Handy erkennen Sie meist an mehreren Auffälligkeiten zugleich: Apps, die Sie nie installiert haben, ungewöhnliche Berechtigungen, plötzlicher Werbeflut außerhalb von Apps oder Abbuchungen, die Sie nicht erklären können. Android ist deutlich häufiger betroffen als das iPhone, vor allem durch Apps, die außerhalb des Play Stores installiert wurden. Die häufigste „Virenwarnung“ auf Smartphones ist dagegen selbst ein Betrug: ein Pop-up im Browser, das Ihnen Angst machen soll.
Viele Warnzeichen wie ein schwacher Akku oder ein warmes Gerät haben meist harmlose Ursachen. Auf Android prüfen Sie Play Protect, die Bedienungshilfen, die Geräteadministrator-Apps und die Liste aller installierten Apps. Der abgesicherte Modus hilft, eine verdächtige App zu finden und zu entfernen. Auf dem iPhone sind klassische Viren selten, wichtiger sind unbekannte Konfigurationsprofile, Freigaben an andere Personen und der Schutz Ihrer Apple-ID. Hilft nichts, ist das Zurücksetzen auf Werkseinstellungen der sichere Weg. Vermuten Sie, dass Ihr Partner oder eine andere Person Sie überwacht, holen Sie sich vor dem Löschen der App Unterstützung.
Welche Anzeichen sprechen für Schadsoftware auf dem Handy?
Am aussagekräftigsten sind Veränderungen, die Sie nicht selbst vorgenommen haben. Ein langsames Handy allein ist dagegen kein Beweis, denn das hat meist mit vollem Speicher, einem alternden Akku oder einem frischen Update zu tun. Die Tabelle hilft bei der Einordnung.
| Anzeichen | Wie ernst? | So prüfen Sie es |
|---|---|---|
| Unbekannte App in der App-Liste | Ernst, wenn Sie sie sicher nicht installiert haben | Unter Einstellungen > Apps alle Apps anzeigen lassen, auch die ohne Symbol auf dem Startbildschirm |
| Vollbild-Werbung, auch wenn keine App offen ist | Typisch für Adware | Zuletzt installierte Apps prüfen, besonders Taschenlampen-, Cleaner- oder Spiele-Apps |
| Unbekannte App mit Zugriff auf Bedienungshilfen | Sehr ernst, typisch für Banking-Trojaner und Stalkerware | Einstellungen > Bedienungshilfen öffnen und installierte Dienste prüfen |
| Abbuchungen über die Handyrechnung, teure SMS | Ernst | Rechnung prüfen, beim Mobilfunkanbieter eine Drittanbietersperre einrichten lassen |
| Kontakte erhalten seltsame SMS oder Nachrichten von Ihnen | Ernst | Gesendete Nachrichten prüfen, Messenger-Geräteliste kontrollieren |
| Hoher Datenverbrauch im Ruhezustand | Möglicher Hinweis | In den Einstellungen zur Datennutzung nachsehen, welche App den Verbrauch verursacht |
| Akku leert sich schnell, Gerät wird warm | Meist harmlos | Akkuverbrauch pro App in den Einstellungen ansehen. Unbekannte App ganz oben ist verdächtig |
| Browser zeigt „Ihr Handy ist infiziert“ | Fast immer Betrug, kein Befall | Tab schließen, nichts antippen, siehe unten |
Android und iPhone: Wo liegt der Unterschied?
Der wichtigste Unterschied liegt darin, woher Apps kommen dürfen. Android erlaubt es seit jeher, Apps auch außerhalb des Play Stores als APK-Datei zu installieren. Fachleute nennen das Sideloading. Genau darüber gelangt der Großteil der Schadsoftware auf Android-Geräte: Eine SMS meldet ein angebliches Paket, ein Link führt zu einer „Tracking-App“, und wer sie installiert, holt sich einen Banking-Trojaner aufs Handy.
Google verschärft die Regeln schrittweise. Seit August 2026 wird ein neuer Ablauf ausgerollt, bei dem Apps von nicht verifizierten Entwicklern nur noch nach Warnhinweisen und einer einmaligen Wartezeit von 24 Stunden installiert werden können. Die Pflicht zur Entwickler-Verifizierung startet ab dem 30. September 2026 zunächst in Brasilien, Indonesien, Singapur und Thailand, weltweit soll sie 2027 folgen.
Auf dem iPhone ist das Installieren von Apps aus beliebigen Quellen nicht vorgesehen. In der EU sind seit iOS 17.4 zwar alternative App-Marktplätze erlaubt, Apple prüft aber auch deren Apps. Klassische Viren sind auf iPhones deshalb selten. Die realistischeren Risiken sind andere: ein gestohlenes Apple-ID-Passwort, ein untergeschobenes Konfigurationsprofil, Freigaben an Personen, die Sie nicht mehr kennen möchten, und in sehr seltenen Fällen staatliche Spionagesoftware gegen gezielt ausgewählte Personen.
So prüfen Sie ein Android-Handy
Gehen Sie die folgenden Punkte der Reihe nach durch. Die Menünamen unterscheiden sich je nach Hersteller etwas, bei Samsung, Xiaomi oder Motorola finden Sie die Einstellungen aber meist über die Suchfunktion in den Einstellungen.
- Play Protect prüfen: Öffnen Sie den Play Store, tippen Sie oben rechts auf Ihr Profilbild und dann auf „Play Protect“. Über das Zahnrad stellen Sie sicher, dass „Apps mit Play Protect scannen“ eingeschaltet ist. Play Protect prüft laut Google auch Apps aus anderen Quellen und kann schädliche Apps deaktivieren oder entfernen.
- Bedienungshilfen kontrollieren: Unter Einstellungen > Bedienungshilfen sollten nur Dienste aktiv sein, die Sie selbst eingerichtet haben. Ein unbekannter Dienst mit vagem Namen wie „System Service“ oder „Device Health“ ist ein deutliches Warnsignal, denn über die Bedienungshilfen kann eine App mitlesen, was auf dem Bildschirm passiert, und Eingaben auslösen.
- Geräteadministrator-Apps prüfen: Je nach Gerät unter Einstellungen > Sicherheit oder unter „Spezieller App-Zugriff“. Auf privaten Handys ist hier oft nichts eingetragen, abgesehen von Diensten wie „Mein Gerät finden“. Eine fremde App mit Administratorrechten lässt sich nicht einfach deinstallieren und ist hoch verdächtig.
- Benachrichtigungszugriff prüfen: Unter „Spezieller App-Zugriff“ sehen Sie, welche Apps Ihre Benachrichtigungen lesen dürfen. Dazu gehören auch eingehende SMS mit Bestätigungscodes.
- Alle Apps durchsehen: Achten Sie auf Apps ohne Symbol auf dem Startbildschirm, auf Namen, die wie Systemdienste klingen, und auf Apps mit weitreichenden Rechten für Kontakte, SMS, Kamera oder Standort.
Welche Berechtigungen für welche App sinnvoll sind, erklärt unser Ratgeber Welche Daten sammelt mein Smartphone?.
Verdächtige Apps im abgesicherten Modus entfernen
Lässt sich eine App nicht deinstallieren oder stürzt das Handy ständig ab, hilft der abgesicherte Modus. Darin startet Android nur mit den vorinstallierten Apps, alles später Installierte bleibt inaktiv. So kann sich eine Schad-App nicht gegen die Deinstallation wehren.
Bei Google-Pixel-Geräten ab dem Pixel 6 halten Sie die Ein-/Aus-Taste und die Lauter-Taste gedrückt, halten dann auf dem Bildschirm „Ausschalten“ oder „Neu starten“ gedrückt und bestätigen mit „OK“. Bei älteren Pixel-Modellen genügt es, die Ein-/Aus-Taste zu halten und „Ausschalten“ lang anzutippen. Unten auf dem Bildschirm erscheint dann der Hinweis „Abgesicherter Modus“. Bei anderen Herstellern ist der Weg ähnlich, im Zweifel hilft die Bedienungsanleitung.
Im abgesicherten Modus entfernen Sie die verdächtige App über die App-Einstellungen. Hat sie Administratorrechte, nehmen Sie ihr diese zuerst in den Geräteadministrator-Einstellungen. Ein normaler Neustart beendet den Modus wieder. Google weist darauf hin, dass dabei automatisch der Flugmodus aktiviert wird.
So prüfen Sie ein iPhone
Auf dem iPhone geht es weniger um versteckte Viren als um Zugänge und Freigaben. Diese vier Stellen sollten Sie kontrollieren:
- Konfigurationsprofile: Unter Einstellungen > Allgemein > VPN und Geräteverwaltung sollte auf einem privaten iPhone in der Regel nichts stehen, außer Sie haben selbst ein VPN oder ein Profil Ihres Arbeitgebers installiert. Ein unbekanntes Profil kann den Datenverkehr umleiten. Löschen Sie es über „Profil entfernen“ und starten Sie das Gerät neu. Bei einem Diensthandy fragen Sie vorher die IT-Abteilung.
- Sicherheitscheck: Ab iOS 16 finden Sie unter Einstellungen > Datenschutz & Sicherheit > Sicherheitscheck eine Übersicht, mit wem Sie Standort und andere Daten teilen, welche Geräte mit Ihrer Apple-ID verbunden sind und welche Apps welche Rechte haben. Der Notfall-Reset beendet alle Freigaben auf einmal.
- Apple-ID-Geräteliste: Unter Einstellungen > [Ihr Name] ganz unten sehen Sie alle angemeldeten Geräte. Entfernen Sie alles, was Sie nicht kennen, und ändern Sie anschließend das Passwort.
- Kalender-Abos: Plötzliche Kalendereinträge mit Warnungen oder Gewinnversprechen stammen meist von einem versehentlich abonnierten Kalender, nicht von einem Virus. Entfernen Sie das Abo in den Kalender-Einstellungen.
Für Menschen, die wegen ihres Berufs oder ihrer Person gezielt mit hochentwickelter Spionagesoftware angegriffen werden könnten, bietet Apple den Blockierungsmodus unter Einstellungen > Datenschutz & Sicherheit. Er schränkt viele Funktionen stark ein. Apple betont, dass die allermeisten Nutzer ihn nicht brauchen.
Stalkerware: Wenn jemand Ihr Handy überwacht
Stalkerware sind Überwachungs-Apps, die oft als Kinderschutz- oder Familien-Ortungs-Software verkauft werden, aber heimlich auf dem Handy eines Partners oder einer Partnerin installiert werden. Sie können Nachrichten, Fotos, Anrufe und den Standort weiterleiten. Wer sie installiert, braucht in der Regel kurz Zugriff auf das entsperrte Gerät. Auf Android verstecken sich solche Apps häufig hinter einem unauffälligen Namen und nutzen die Bedienungshilfen. Auf dem iPhone erfolgt Überwachung eher über eine bekannte Apple-ID, geteilte Standorte oder ein untergeschobenes Profil.
Die Prüfschritte oben helfen auch hier. Ein Punkt verdient aber besondere Vorsicht: Wenn Sie die App löschen, bemerkt die Person, die sie installiert hat, das möglicherweise. Das kann Ihre Lage verschärfen. Außerdem bleiben bereits übertragene Daten auf den Servern des Anbieters.
Vermuten Sie Überwachung durch eine Person aus Ihrem Umfeld, holen Sie sich zuerst Unterstützung, bevor Sie etwas löschen. Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist unter 116 016 rund um die Uhr erreichbar, berät vertraulich und kennt sich mit digitaler Gewalt aus. Bei akuter Gefahr wählen Sie den Notruf 110. Ändern Sie danach den Gerätecode, denn ein bekannter Code war oft der Weg, über den die App installiert wurde.
Fake-Virenwarnungen im Browser: Nicht antippen
Meldet eine Website, Ihr Handy sei „mit 4 Viren infiziert“ oder der Akku „beschädigt“, handelt es sich so gut wie immer um Betrug. Weder Android noch iOS zeigen Virenwarnungen als Webseite im Browser an. Solche Seiten tauchen über manipulierte Werbung oder über Website-Benachrichtigungen auf, die Sie irgendwann versehentlich erlaubt haben. Das Nationale Zentrum für Cybersicherheit der Schweiz beschreibt die Ziele: Die Betrüger wollen eine gefälschte Schutz-App oder ein Abo verkaufen, Sie zu einer falschen Support-Hotline lotsen oder persönliche Daten abgreifen.
So reagieren Sie richtig:
- Nichts antippen, auch nicht „OK“ oder „Abbrechen“, sondern den Tab oder den Browser schließen.
- Keine App installieren, die die Seite empfiehlt, und keine dort genannte Nummer anrufen.
- Benachrichtigungen von Websites entfernen: In Chrome für Android über das Drei-Punkte-Menü unter Einstellungen > Website-Einstellungen > Benachrichtigungen. Dort sehen und sperren Sie alle Seiten, die Ihnen Mitteilungen schicken dürfen.
- Haben Sie bereits eine App installiert oder ein Abo abgeschlossen, löschen Sie die App, kündigen das Abo über den App-Store und prüfen Ihre Handyrechnung.
Wie die Betrugsmasche weitergeht, wenn Sie die angezeigte Nummer anrufen, lesen Sie im Ratgeber Falsche Microsoft-Anrufe und Support-Betrug.
Was tun, wenn das Handy befallen ist?
Bestätigt sich der Verdacht, gehen Sie in dieser Reihenfolge vor:
- Verbindung trennen: Flugmodus einschalten, damit keine Daten mehr abfließen und keine SMS verschickt werden.
- Banking sichern: Wurde eine Banking-App genutzt oder hatte die Schad-App Zugriff auf SMS, rufen Sie Ihre Bank an oder lassen Sie den Online-Zugang über den Sperr-Notruf 116 116 sperren.
- App entfernen: wie oben beschrieben, bei Android notfalls im abgesicherten Modus.
- Zurücksetzen, wenn Zweifel bleiben: Ein Werksreset entfernt alle Apps und Daten. Sichern Sie vorher Fotos und Kontakte, aber keine App-Daten, die von der Schadsoftware stammen könnten. Unter Android benötigen Sie nach dem Reset Ihr Google-Konto und die frühere Bildschirmsperre. Google rät, nach einer Passwortänderung 24 Stunden mit dem Zurücksetzen zu warten. Beim iPhone führt der Weg über Einstellungen > Allgemein > iPhone übertragen/zurücksetzen > Alle Inhalte & Einstellungen löschen.
- Passwörter ändern: von einem sauberen Gerät aus, zuerst für E-Mail, Google-Konto oder Apple-ID, dann für Banking und Messenger. Schalten Sie, wo noch nicht geschehen, die Zwei-Faktor-Authentifizierung ein.
- Anzeige erstatten: bei finanziellem Schaden oder Überwachung durch eine andere Person, online über die Onlinewache Ihres Bundeslandes.
Damit es gar nicht erst so weit kommt, finden Sie die wichtigsten Grundeinstellungen im Ratgeber Smartphone absichern.
Häufige Fragen
Brauche ich eine Antiviren-App auf dem Handy?
Auf dem iPhone nicht, dort können solche Apps systembedingt ohnehin kaum etwas prüfen. Auf Android reicht für die meisten Nutzer Google Play Protect, solange Sie Apps nur aus dem Play Store laden. Wer häufig Apps aus anderen Quellen installiert, kann eine Sicherheits-App eines bekannten Herstellers ergänzen. Vorsicht vor kostenlosen „Cleaner“-Apps, die selbst Werbung oder Abos unterschieben.
Kann man sich beim Öffnen einer Website einen Virus einfangen?
Bei aktuellem System und Browser ist das sehr unwahrscheinlich. Gefährlich wird es, wenn Sie auf der Seite etwas herunterladen, eine App installieren oder Berechtigungen erteilen. Halten Sie Ihr Handy deshalb immer aktuell, denn Updates schließen genau die Lücken, über die ein Befall ohne Ihr Zutun möglich wäre.
Kann ein iPhone überhaupt einen Virus bekommen?
Klassische Viren, die sich selbst verbreiten, gibt es für iOS praktisch nicht. Möglich sind aber Phishing, gestohlene Apple-ID-Zugänge, schädliche Konfigurationsprofile und in Einzelfällen hochentwickelte Spionagesoftware gegen gezielt ausgewählte Personen. Ein iPhone mit aktuellem iOS und starkem Gerätecode ist gut geschützt.
Was bewirkt das Zurücksetzen auf Werkseinstellungen?
Das Gerät wird auf den Auslieferungszustand gebracht, alle Apps, Einstellungen und Daten werden gelöscht. Schadsoftware in Apps verschwindet damit zuverlässig. Spielen Sie danach kein vollständiges Backup ein, das die Schad-App enthalten könnte, sondern installieren Sie Ihre Apps neu aus dem Store.
Mein Handy vibriert und zeigt eine Virenwarnung. Was nun?
Kommt die Meldung aus dem Browser oder als Benachrichtigung einer Website, ist sie gefälscht. Schließen Sie den Browser und entfernen Sie die Benachrichtigungsrechte der Seite. Echte Warnungen von Google Play Protect erscheinen als Systemmeldung und nennen eine konkrete App.
Quellen
- Google: Mit Google Play Protect vor schädlichen Apps schützen
- Google Pixel-Hilfe: Abgesicherter Modus
- Google: Android-Gerät auf Werkseinstellungen zurücksetzen
- Google Chrome-Hilfe: Benachrichtigungen aktivieren oder deaktivieren
- 9to5Google: Neuer Ablauf für Sideloading und Entwickler-Verifizierung
- heise online: So funktionieren alternative App-Marktplätze auf dem iPhone
- Apple: Konfigurationsprofile prüfen und löschen
- Apple: So funktioniert der Sicherheitscheck
- Apple: Blockierungsmodus
- Apple: iPhone zurücksetzen
- TechCrunch: Stalkerware auf Android finden und entfernen
- NCSC Schweiz: Gefälschte Virenwarnungen
- Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen
- Sperr-Notruf 116 116